GroKo: Familie oder staatliche Erziehung

Was wird die neue Regierung den Familien bringen? Beim Thema Familienpolitik wird am ehesten deutlich, dass der Staat von Bedingungen lebt, die er selbst nicht schaffen kann. Das Aufwachsen in gesunden Familien, die Förderung von Kindheit an, das Herausbilden einer gefestigten Persönlichkeit, das alles kann der Staat nicht vollbringen – Familien aber können es. Der Staat ist deshalb bestrebt Familien das Leben einfacher zu machen, sodass sie ihren Beitrag zur Gesellschaft ohne große Hindernisse leisten können. Allerdings, wer fördert gestaltet auch und mischt sich ein. Familienpolitik ist ein zweischneidiges Schwert. Die Unterstützung wollen alle, aber die Ausgestaltung des Familienlebens und der Erziehung soll Privatsache bleiben. Es sollte sich aber jeder bewusst sein, wenn man Hilfe bezieht, wird man sich nach Anderen richten müssen.

Exemplarisch ein paar Punkte aus dem Koalitionsvertrag:

1. Elterngeld plus

Wer während des Elterngeldbezuges Teilzeit arbeitet, darf um diese Zeit verlängert Elterngeld beziehen, maximal sind das 28 Monate. Das gilt für Alleinerziehende oder gemeinsam für Vater und Mutter. Es klingt einerseits nach unterstützender Hilfe für Familien, da es Eltern ermöglicht weiterhin zu Arbeiten, ohne dass ihnen eine finanzielle Förderung des Staates entgeht. Andererseits macht man den Eltern aber die Krippen schmackhaft und erleichtert es die Kinder an den Staat abzugeben, während man Teilzeit weiterarbeitet.

2. Ausbau der Ganztagsbetreuung

Die Union will die Qualität der Ganztagsbetreuung verbessern und ausbauen. Man merkt, in den gesellschaftspolitischen Haltung, dass sich in den letzten Jahren viel getan hat, denn früher stand die Union für die möglichst lange Betreuung der Kinder durch ihre Eltern. Nun wird die zeitigere Trennung und frühere Arbeitsaufnahme favorisiert. SPD und Union haben weniger Streitpunkt bei gesellschaftspolitischen Themen als früher. Die Erzieher sollen gefördert und die Qualität der Erziehung gesteigert werden. Das bedeutet, dass die Betreuung teurer und umständlicher wird, aber hoffentlich auch besser.

Von den meisten wird höhere Qualifizierung positiv gesehen, doch sehe ich sie im Erziehungsbereich negativ, da es im Allgemeinen mit mehr Praxisferne einhergeht. Erziehung lernt man vor allem im Umgang mit den Kindern. Schon an der deutschen Lehrerausbildung sieht man, dass Fachwissen gelehrt werden kann, aber erzieherische Kompetenzen kaum in Seminaren vermittelt werden können.

Den Punkt zusammenfassend: Es wird in den nächsten Jahren viel Geld investiert werden – der Erfolg ist meines Erachtens zweifelhaft.

3. Zusammenfassung der restlichen Punkte 

Der Abschnitt des Koalitionsvertrags enthält noch viele einzelne Formulierungen zur Reform der Verjährungsfristen für Sexualstraftaten, des Adoptionsrecht und vielem mehr. Man versucht alle gesellschaftlichen Punkte anzusprechen und mit zwei Sätzen etwas nettes darüber zu sagen. Jedoch ist häufig die Zielrichtung unklar. Man hätte es sich also auch sparen können. Eine Analyse der Politik der nächsten vier Jahre wird mehr bringen, als die einzelnen Punkte anzuführen.

Festzustellen ist aber, dass das Ministerium sich mittlerweile für alle (Familien, Senioren, Frauen, Männer, Jugend, Kinder,…) zuständig fühlt. Und gesichert ist auch, der Bürokratieaufwand der verschiedensten Fördermaßnahmen wird weiter steigen (Jungen fördern, aber nicht zulasten der Mädchen, Antidiskriminierung, Gleichstellung, Überwindung von Stereotypen, etc.). Der Staat ist zunehmend in der Rolle des Erziehers der Kinder, der Jugendlichen und auch der Erwachsenen.

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