Archiv für den Monat Dezember 2013

GroKo: Mütterrente

Die Union hat in den Koalitionsverhandlungen bei der Rente vor allem für ein Anliegen gekämpft, die sogenannte Mütterrente. Bislang bekamen Mütter deren Kinder vor 1992 geboren wurden pro Geburt einen Entgeltpunkt für ihre Rente (das entspricht dem einjährigen Einzahlen in die Rentenkasse), Mütter deren Kinder später geboren wurden bekommen drei. Sehr ungerecht.

Die ungleiche Behandlung hatte einen einfachen Grund, man wollte einen weiteren Anreiz  schaffen, dass künftig mehr Kinder in Deutschland geboren werden und so der demographische Untergang abgewendet wird. Für einen Volkswirtschaftler ist es nun ein Graus, nachträglich auch die früheren Mütter besserzustellen. Das ist kein Anreiz, dass nachträglich mehr Kinder geboren werden! Allerdings unterscheidet sich hier Politik von der Volksökonomie. Es muss  relative Gerechtigkeit hergestellt werden in einem Rechtsstaat.

Oma mit Enkeln  - CC-Lizenz, Quelle: http://www.flickr.com/photos/bp100/5064691726/

Oma mit Enkeln – CC-Lizenz, Quelle: http://www.flickr.com/photos/bp100/5064691726/

Also kommt nun diese Rentenreform, allerdings gebremst, die vor 1992 geborenen Kinder werden mit zwei Entgeltpunkten gezählt. Nach dem Dienst, den Mütter für die Gesellschaft leisten, wären alle drei Entgeltpunkte gerechtfertigt. Es wird allerdings bereits mit dieser Reform schwierig, die Reform zu finanzieren. Reichlich 6 Milliarden Zusatzkosten sind jährlich  abzufedern. Über das Jahr gesehen werden Mütter damit pro Kind 300€–350€ besser gestellt. Eine Finanzierungsquelle ist der Abbruch einer geplante Entlastung. Die Arbeitnehmer sollten weniger Rentenbeiträge zahlen. Ein schlechte Entwicklung, da grade die Lohnnebenkosten ein Wettbewerbsnachteil für Deutschland sind und die Einkommen jeden Monat sehr stark gekürzt werden. Aber irgendwo muss das Geld herkommen.

Das weitere Geld, was für diese Wohltat benötigt wird, könnte durch weitere Nullrunden für die Rentner zusammenkommen. Die Renten werden insgesamt durch die Mütterrente ja steigen, so dass es erklärbar wäre, den Durchschnitt nicht anzuheben. Mittelfristig bedeutet dies, dass es eine Besserstellung der verrenteten Mütter gegenüber anderen Rentnern gibt. Das wäre vernünftig.

GroKo: 45 Beitragsjahre – danke, das ist genug!

Die Zahlung der vollen Rente nach 45 Beitragsjahren ist ein sehr gerechter Vorschlag. Wer 45 Jahre arbeitet, hat viel für die Gesellschaft geleistet und gezahlt. Deshalb ist es richtig und gerecht, die Rente zeitiger als derzeit voll zu zahlen.

Wer früher eine Lehre gemacht hat und es geschafft hat, sein ganzes Leben zu arbeiten, musste bis zum 65. Lebensjahr 49 Jahre Steuern und Abgaben gezahlt. Wer ein Studium absolvierte und mit 25 anfing, zahlte nur 40 Jahre ein. Rente bekam der Studierte, wenn er höher bezahlt wurde, mehr als der Facharbeiter, obwohl dieser durch längere Einzahlungen häufig mehr leistete. Die Einführung der Rente mit 67 hat dem Studierten zwei Jahre aufgeschlagen. Den Facharbeiter hat man damals verschont, er durfte weiterhin mit 65 in Rente gehen, insofern er 45 Beitragsjahre vorweisen kann. Da steht es nun also 42:49 zwischen den Beiden. Die Grenze „63“ bringt noch mehr Gerechtigkeit (42:47), jedoch ist der Vorschlag unsolide gefertigt und wird hoffentlich noch überarbeitet.

Rentnerbank  - CC-Lizenz, Quelle: http://www.flickr.com/photos/bp100/5064691726/

Rentnerbank – CC-Lizenz, Quelle: http://www.flickr.com/photos/bp100/5064691726/

Die Zeitungen schreiben nun von einer Renteneintrittswelle, da nach einer Beispielrechnung die Hälfte der 63–65-jährigen Männer 2011 von dieser Regelung hätte Gebrauch machen können. Dieser Wert wäre jetzt immer noch ähnlich; das lässt Aufhorchen. Man geht doch davon aus, dass durch Wechsel der Arbeit oder andere Lebenseinschnitte viele Erwerbsbiografien durchbrochen sind und die 45 Beitragsjahre erst mit Mitte 60 erreicht werden. Das Problem ist, der Vorschlag der Großen Koalition gestattet in den 45 Beitragsjahren bis zu 5 Jahre „Zeiten der Arbeitslosigkeit“. Das stellt den Vorschlag finanziell auf tönerne Füße.

Die einfachste Lösung wäre: Wer 45 Jahre gearbeitet und eingezahlt hat darf in Rente gehen, egal wie alt derjenige ist. Einige Wenige werden dieses Alter mit 61 Jahren erreichen. Viele haben aber Zeiten der Arbeitslosigkeit, machen ein Sabbatjahr oder starten erst nach dem Abitur mit 18. Eine Renteneintrittswelle ist dann nicht zu erwarten. Es wäre gerechter, wenn diejenigen die fleißig sind am Anfang des Lebens, später genießen können und diejenigen die noch etwas in ihre Bildung investieren (besser gesagt, vom Staat investieren lassen), auch länger Arbeiten müssen. Die lange Rentenbezugsdauer, vom 61. Lebensjahr bis geschätzt ins 85., wird dadurch ausgeglichen, dass von diesen Zahlern keine Kosten verursacht wurden zwischen dem 16. und 25. Lebensjahr. Über das ganze Leben gerechnet ist das fair.

Eines würde ich aber trotzdem noch fordern, das Renteneintrittsalter muss auf 69 hochgesetzt werden, dann steht es 45:44 zwischen dem, der mit 16 die Lehre macht und demjenigen, der mit 25 seinen Uniabschluss in der Hand hält.

PISA-Studie macht zuversichtlich – Deutschland liegt auf Spitzenposition

Beim OECD-Test zur Lage der Bildung in 65 Ländern der Welt, hat Deutschland wieder gut abgeschnitten und im Vergleich zum letzten Test sich verbessert. Der Test gibt einen Überblick über die Bildungssituation der 15-jährigen in den entsprechenden Ländern. In allen Zeitungen wurde der Erfolg lobend vermerkt, um dann lange auf dem Schwachpunkt Mathe und Mädchen herumzureiten. Eigentlich könnten wir uns doch einfach nur freuen.

Das klingt jetzt vielleicht für Deutsche übertrieben, denn solange wir nicht die Ersten sind, freuen wir uns nicht. Und Platz 16 in Mathe, das ist nicht vorne.

Die Länder-Liste betrachtend, liegen vor uns vor allem Staaten, mit denen wir uns gar nicht vergleichen sollten, denn das sind Äpfel-Birnen-Vergleiche. Wir liegen bei Mathe hinter Shanghai, Hongkong, Taipeh und Macao, die als einzelne Städte Spitzenwerte aus China bringen, unbeachtet der Lage im restlichen Land. Wir liegen hinter den Kleinstaaten Singapur und Liechtenstein und hinter den kleineren Ländern Korea, Schweiz, Niederlande, Estland, Finnland und Belgien. Die einzigen großen Länder, die vor uns liegen und die eine große Landmasse und Bevölkerung haben, so dass ähnliche Ausgangslagen bestehen könnten, sind Japan, Kanada und Polen. Wir sind also auf einer Spitzenposition in unserer Liga.

Altes Klassenzimmer - CC-Lizenz, Quelle: http://www.flickr.com/photos/alfreddiem/7783268636/

Altes Klassenzimmer – CC-Lizenz, Quelle: http://www.flickr.com/photos/alfreddiem/7783268636/

Der Kritikpunkt Mädchen und Mathe

Nun aber zu den Problemen. Der Unterschied in der Mathekompetenz zwischen Jungen und Mädchen beträgt 14 Punkte und liegt somit bei etwa 4 Monaten Bildungsvorsprung. Demgegenüber wurde letztes Jahr ein Rückstand der Jungen in der Lesekompetenz gemeldet: 37 Punkte. Das ist nahezu ein volles Jahr! Es fällt einem größeren Teil der Jungen schwieriger flüssig zu lesen, und ein Teil der Mädchen hat Probleme bei der Mathematik. Die Gründe sind ein Mix aus unterschiedlicher Begabung und Stereotypen. Ein Riesenproblem aus dem Matherückstand zu machen ist nicht nötig.

Es gibt eine wissenschaftlich untersuchte Möglichkeit, die Stereotypen zu überwinden und die Leistungen zeitgleich zu steigern: Getrennter Unterricht. Wenn Mädchen ohne Beobachtung von Jungs Matheunterricht haben, steigt ihr Zutrauen signifikant, ebenso bei Jungs im Deutschunterricht. Wie stark dann weiterhin die geschlechtsbedingte Begabung ausfällt ist strittig. Geringer als derzeit auf jeden Fall.

Nur wenige Ländern bilden die Ausnahme zur Regel, hier liegen die Mädchen bei ihren Mathekenntnissen oberhalb der Jungs: Jordanien, Qatar, Malaysia, VA Emirate, (4x islamisch), Thailand (buddhistisch), Island, Finnland und Schweden (3x nordeuropäisch). Alle genannten Länder sind bildungsorientiert, haben aber unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Bei den nordeuropäischen Ländern vermute ich eine gezielte Förderung der Mädchen, während es bei den islamisch geprägten Ländern eher an den ungerechten Chancen liegt, die den Mädchen einzig den Aufstieg über die Bildung bietet. Eigene Deutungen und Analysen, zu diesem abweichenden Ergebnis, sind gern in den Kommentaren gesehen.

Haben uns die Reformen zu PISA-Gewinnern gemacht?

Ein gemittelter 16. Platz unter den Ländern und damit knapp ins vordere Viertel geschafft – ein Erfolg, nachdem wir 2000 in der hinteren Hälfte gelandet sind. Das gibt Fragen nach den Gründen: Was machen wir seit 2000 richtig?

Seit über 40 Jahren wird an unserem Schulsystem rumgedoktert. Die eifrigsten Reformer waren die nördlichen, öfters links regierten Bundesländer. Allerdings scheinen die Reformen die Situation kontinuierlich verschlechtert zu haben. Als nun die PISA-Vergleichstests 2000 begannen, schnitten die reformresistenten konservativen Bayern am besten ab. Ein Umdenken findet seitdem statt. Es wurden etwa einheitliche Bildungsstandards für alle 16 Bundesländer geschaffen. Damit orientieren sich alle künftigen Reformen nun nicht an Ideologie, sondern an quantifizierbaren Leistungen.

PISA-LOGO

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Anteil der Lehrer am Erfolg?

Die starke Resonanz des PISA-Ergebnisses 2000 hatte auch Auswirkungen auf die Lehrerausbildung und auf das Bewusstsein in der Gesellschaft, welche Bedeutung dieser Beruf für das Land hat. Die pädagogische Praxis wurde an vielen Stellen überarbeitet. Die Lehrkräfte haben, dank der nach der ersten PISA-Studie eingeführten Bildungsstandards, bessere Vorstellungen davon, was ihre Schüler können müssen. Das hilft auch den Schülern, die nun besser verstehen, was sie lernen. Der Lehrer ist wieder mehr zum Wissensgeber und -tester geworden und weniger der Kumpel, der hilft, den selbstbestimmten Weg im Leben zu finden. Das bedeutet aber auch, dass die Schulzeit für Schüler, Lehrer und Eltern stressiger geworden ist.

Ein wichtiger Teil des verbesserten deutschen Ergebnis liegt am Aufholen der Schwächeren. Hier zahlt es sich aus, dass Lehrer mehr Didaktik gelehrt bekommen, was die zurückgebliebenen Schüler stützt. Noch mehr Förderung der Schwachen erhoffen sich Bildungspolitiker von der Verdrängung der Haupt- und Förderschulen und verstärkter Inklusion. Gemeinsamer Unterricht aller Schüler, das soll allen Schülern zum Besten sein. Die deutliche Gefahr daran ist, dass das die Starken bremst. Aber auch die durchschnittlich Begabten könnten hinter ihren Fähigkeiten zurückbleiben, sollte das Niveau sinken. Methodische Verbesserungen haben uns international nach vorne geholfen. Jetzt wieder an den Schulstrukturen zu basteln, wird nach hinten gehen.

Testet der Test einfach nur die Testroutine?

Böse Stimmen behaupten, die Schüler wüssten heute gar nicht mehr. Sie werden  aber besser auf Multiple-Choice-Tests und ähnliche Prüfungsleistungen vorbereitet. Werden ihnen nun die PISA-Bögen vorgelegt, könnten sie zügig alles runterrattern. Vor 13 Jahren wussten sie einfach noch nichts mit dieser Art Test anzufangen. Und es stimmt, die Lehrer bereiten tatsächlich ihre Schüler  auf solche Tests vor, doch ist nicht das Schulsystem diesen Tests unterworfen. In Ländern, die durch gutes Abschneiden in Vergleichstest nationales Prestige erringen wollen, besonders unter den asiatischen Teilnehmern, gibt es aber diese bedenklichen Tendenzen.

Was ist die Zauberformel: Gesamtschule, Gymnasium, Ganztagsschule?

Ein schockierendes Resultat des 2013er-Tests kommt aus Nordeuropa. Die Schweden verloren nicht nur im Vergleich zu anderen Ländern an Plätzen, sondern auch praktisch an Kompetenz unter den Kindern. 2000 war Schweden noch neben Finnland das leuchtende Vorbild und seine Gesamtschulen eine Vorlage für die anderen Länder Europas. Die Lehre war, dass nur Gesamtschulen hervorragende PISA-Plätze einbringen. Das Vorbild wackelt nun.

Innerhalb Deutschlands ist der Wettbewerb schon lange entschieden. Nationale Vergleichstest der 16 Bundesländer zeigten, dass in dem gegliederten Schulsystem die Starken stärker sind und die Schwachen auch noch einen brauchbaren Abschluss bekommen. Der bayrische Hauptschulabschluss befähigt weiterhin zum Antritt einer Lehre, während schwache Gesamtschulleistungen in NRW zu kaum etwas befähigen. Aus diesen Tests kommt auch die für Hanseaten traurige Erkenntnis: Sachsen liegt auf einem Niveau mit Finnland, während Bremen gleichzieht mit Mexiko. Ein verheerendes Zeugnis für den Nordwesten.

Was die Einführung der Ganztagsschule bringt kann nicht abschließend beurteilt werden. Deutliche Vorteile hat sie für Schüler mit ausländischen Wurzeln, die so in der Sprachkompetenz gefördert werden. Auch Schüler aus sozial schwierigem Umfeld können durch die Ganztagsschule mehr Chancen bekommen. Der durchschnittliche Schüler aus deutschem Haushalt, der auch zu Hause Förderung über Musikschule, Sportverein oder gute Gespräche in der Familie hat, wird eher gebremst. Die Förderung der Starken und Selbständigen kann in der staatlichen Schule niemals so umfassend geschehen, wie zuhause (– eine Systemproblematik, der Staat kümmert sich um diejenigen die negativ auffallen, nicht um diejenigen die Potential haben könnten).

Die Hauptschwierigkeit: Integration.

Der Hauptgrund für den Abstand zur Spitze ist der hohe Anteil an Migranten an Deutschlands Schulen. Laut des statistischen Bundesamtes lag der Anteil ausländischer Kinder an deutschen Schulen vergangenes Jahr bei durchschnittlich 7,7 Prozent – in Städten ist er deutlich höher. Demgegenüber steht z.B. Finnland mit zwei Prozent und auch die asiatischen Länder mit kleinsten Anteilen. Bei Kindern, die mit ihren Eltern zuhause nicht deutsch sprechen, müsste Lesekompetenz eher unter Fremdsprachenkompetenz gerechnet werden. Und schlechtes Verstehen beim Lesen schlägt sich auch nieder auf das Lernen allgemein und auch das Verstehen von Aufgaben in anderen Fächern.

Indische Schüler - CC-Lizenz, Quelle: http://www.flickr.com/photos/ss2001/6316866455/

Indische Schüler – CC-Lizenz, Quelle: http://www.flickr.com/photos/ss2001/6316866455/

Bei der Integration muss erwähnt werden, dass Kinder ohne deutschen Hintergrund nicht grundsätzlich schlechter als der Durchschnitt sind. Kinder aus Ostasiensind in Deutschland genauso wie in den USA an der Spitze aller Tests. Asiaten kommen aus einer Kultur, die Bildung und sozialen Aufstieg ehrt. Nordeuropäische Kinder zeigen keine Unterschiede zu Deutschen. Unter dem Durchschnitt liegen aber Südeuropäer. Weiter dahinter kommt Afrika und der islamische Kulturraum.

Wenn nun viele Kinder aus einer bildungsfernen Kultur zusammen in einem Stadtteil wohnen, so behindern sich diese gegenseitig am Lernerfolg. Die Zahlen aus der aktuellen Studie zeigen beispielsweise bei Kindern türkischer Eltern eine durchschnittliche Mathefähigkeiten 67 Punkt hinter denjenigen, die keinen Zuwanderungshintergrund haben. Das sind umgerechnet anderthalb Jahre. Da die türkische Zuwanderung die stärkste in Deutschland ist, wird diese Situation auch in den nächsten Jahren Probleme bereiten und Lösungen fordern. Derzeit zieht sie uns einige Plätze runter. In den Spitzenpositionen liegen vor allem Länder ohne Integrationsschwierigkeiten.

Eine gute Nachricht bleibt aber: Im aktuellen Test haben vor allem die verbesserten Ergebnisse ausländischer Schüler den Gesamtschnitt gehoben, bzw. diesen nicht so stark wie früher gesenkt. Die herkunftsbedingten Unterschiede sind in den vergangenen Jahren in Deutschland geschrumpft!

Welche Fehler hat Schweden gemacht?

Aus Fehlern anderer zu lernen schützt vor Eigenen. Deshalb wäre es gut, die Gründe für Erfolg und Misserfolg in Schweden zu erkennen, doch hier bieten sich viele: geringe Bezahlung der Lehrer, zu viele Tests, öffentlicher Druck der auf den Lehrern lastet, stärkere Selbstbestimmung der Schulen und Rektoren, Trägerwechsel zu den Kommunen, freie Schulwahl durch die Eltern oder verstärkter Einwanderung aus bildungsschwachen Gegenden der Welt.

Früher waren Schüler ähnlich gut in allen Schulen Schwedens. Nun dürfen sich die Eltern die Schulen aussuchen und die engagierten Eltern und ihre Kinder sammeln sich an bestimmten Schulen und bringen diese voran. Anderen Schulen fehlt dieses Potential. Zudem hat sich in Schweden der Anteil der Migrantenkinder seit 2000 fast verdoppelt. Diese haben ein geringeres eigenes Potential (Herkunftsgegenden sind Pakistan oder Somalia) und sammeln sich nun an Problemschulen. Sie tragen zu den Problemen bei, weil sie wenig Engagement und Interesse an der Schule mitbringen.

Eltern als Grund für schulischen Erfolg!

Der mühsame Vergleich mit Asien und auch die Leistungen ost- und südostasiatischer Kinder in Deutschland, bringt eines besonders ans Licht, das Interesse der Eltern am Lernerfolg der Kinder entscheidet. In einer Gesellschaft, die so geprägt ist, wird zuhause gelernt, es wird darauf geachtet, dass die Kinder den Anschluss halten und die Schulen werden unterstützt in ihrer Arbeit. In einer Stadt wie Schanghai, welche in der Mathekompetenz 3 Jahre Vorsprung zu uns hat, kann man das am deutlichsten sehen: Die Eltern investieren ihre Ersparnisse in den Nachwuchs und dieser büffelt an die Spitze.

Als Tenor der verschiedenen Bericht über PISA lässt sich sehen, dass vor allem dort wo Bildung als ein hoher Wert gesehen wird und Engagement und Motivation in die Schule hereingetragen wird, die Leistungen hoch sind. Die deutschen Schulen sind aber weniger auf Leistung, als auf das Verstehen des umfassenden Lernstoffes gebaut. Asiatische Schulsystem mit Drill und Gehorsam schlagen hier Systeme, die eigenständiges Arbeiten, Anwenden von Erlerntem, oder die Förderung von künstlerischen Begabungen mit einbinden. Das sind aber alles Fertigkeiten, die im späteren Leben nützlich sein werden. Der Test hat hier seine Schwächen.

Ziel selbstbestimmtes Leben und ein Auskommen im Leben

Das Ziel der Schule sollte aber nicht sein, dass unsere 15-jährigen Weltmeister werden. Es geht um die Gestaltung des Lebens und um ein Einkommen. Die Schule sollte darauf vorbereiten, dass jeder Mensch eines Tages soviel verdienen muss, dass er Nahrung hat und wohnen kann. Sie sollte aber auch dazu anleiten, ein Leben selbstbestimmt gestalten zu können. Mit Blick auf die Vorbereitung des komplexen Lebens, gefällt mir das Ergebnis Deutschlands in den Naturwissenschaften, denn wir sind auf Platz 12, auf Augenhöhe mit den stärksten westlichen Ländern. Die Naturwissenschaften sind komplexer. Sie zeigen, dass die deutschen Schüler Sachverhalte begreifen und ihr Wissen anwenden können. Das sichert uns den Wohlstand im Land.

Bleibt abschließend nur zu sagen, eine Kritik im ganzen Medienkanon kann ich nie verstehen, die Föderalismuskritik. Umfragen meinen zu erkennen, dass 80% der Deutschen das Schulsystem in Deutschland einheitlich haben wollen. Doch grade die Unterschiede haben uns nach vorne gebracht. Wäre in den 70er und 80er Jahren keine eigenständige Schulpolitik im Süden möglich gewesen, das ganze Land hätte die Schulen kaputtreformiert. Nun können sich die Länder mit schlechterem Ergebnis, an denjenigen mit besserem Ergebnis orientieren. Natürlich wäre es gut, wenn alle einheitlich das beste aller Schulsysteme haben. Aber wie bei so vielen Sachen im Leben, weiß man nicht was das Beste ist. Und an allen diesen Stellen ist der Wettbewerb das Instrument, um es herauszufinden.

Es ist auch in Ordnung, dass ein Land wie Nordrhein-Westfalen, das mehr Einwohner als die Niederlande hat, eine eigene Schulpolitik betreibt. Alle 16 Bundesländer haben für sich genommen eine Größe, wie komplett unabhängige Länder Europas. Selbst Bremen ist im europäischen Vergleich nicht zu klein, für eigenständige Schulpolitik, es hat anderthalb mal mehr Einwohner als Malta. Noch besser, als föderale Konkurrenz wäre allerdings schulische Konkurrenz: Jede Schule kann machen was sie will, aber die Leistungen werden getestet und öffentlich gemacht. Noch mehr Chancen und mehr Transparenz als heute. Aber das wäre dem staatsliebenden Deutschen zuviel.